Steineisen-Meteorite

Pallasit

 

Die Klasse der Steineisenmeteorite ist eine lose Kategorie der klassischen Meteoritenkunde, in der alle Meteorite zusammengefasst wurden, die ungefähr zu gleichen Teilen aus Metall bzw. Nickeleisen und Gestein zusammengesetzt sind. Heute zählen die meisten Forscher nur zwei Gruppen von Meteoriten, die Pallasite und die Mesosiderite, zu den Steineisen, obschon es genug Gründe gibt, diese Kategorie um einige Gruppen zu erweitern, die gewöhnlich in den Klassen Stein- oder Eisenmeteorite geführt werden, obschon sie alle Kriterien erfüllen, die sie zu echten Steineisen machen. Aus diesem Grund werden diese Gruppen weiter unten ebenfalls beschrieben.

Die Steineisenmeteorite bilden, was die Häufigkeit betrifft, die kleinste Klasse, da sie nur ca. 1,5% aller beobachteten Fälle ausmachen. Und obschon sie aufgrund ihres hohen Eisenanteils recht schwere Meteorite sind, wurden bislang nur etwa 10 Tonnen von ihnen gefunden, was einem Gewichtsanteil von nur 3,5% der Gesamtmasse aller bekannten Meteorite entspricht. Steineisenmeteorite sind also in jeder Hinsicht selten.

 

Steineisen-Meteorite

Pallasite

Mesosiderite

Weitere Gruppen

Bencubbinite

Lodranite

Siderophyre

 

 

Pallasite

Die Pallasite bestehen aus Olivinkristallen, die in einer netzwerkartigen Nickeleisenmatrix eingebettet sind. Bei alten, verwitterten Pallasiten, die bereits lange auf der Erde liegen, sind die Olivinkristalle oft schwärzlich verfärbt oder aus der Matrix herausgewittert, was diesen Stücken ein hässliches, schwammartiges Äußeres verleiht. Aber frische Pallasite mit oft zentimetergrossen, klaren Olivinkristallen und einer intakten Matrix gehören, in Scheiben geschnitten und poliert, zu den zweifellos schönsten Meteoriten überhaupt! Die olivgrünen, oft klaren Olivine entsprechen den irdischen Peridoten und können zurecht als die einzigen kosmischen Edelsteine bezeichnet werden. Das russische Zarenhaus besass prachtvolle Schmuckstücke aus pallasitischem Peridot, und auch heute werden noch gelegentlich exquisite Juwelen aus dem einzigartigen Material gefertigt.

Von der Entstehung her sind die Pallasite eng mit den Eisenmeteoriten verwandt. Während die Eisenmeteorite den Kernen differenzierter Asteroide entsprechen, repräsentieren die Pallasite den inneren Mantel, eine Zone, in der sich der metallische Kern und die silikatreiche Kruste des Asteroiden treffen und miteinander mischen. Vermutlich gibt es auch auf der Erde ähnliche Minerale, jedoch in einer solchen Tiefe, dass wir sie wohl nie zu Gesicht bekommen werden.

Was die Klassifikation angeht, werden die Pallasite in drei chemisch verschiedene Gruppen aufgeteilt, wobei jede dieser Gruppen einen eigenen Mutterkörper repräsentiert. Die Pallasite der Hauptgruppe, zur der die meisten bislang gefundenen Pallasite zählen, zeigt hierbei eine enge Verwandtschaft mit den Eisenmeteoriten der IIIAB-Gruppe, was auf eine gemeinsame Heimatwelt schliessen lässt. Eine ähnliche Verwandtschaft konnte auch für die Pallasite der zahlenmäßig n ur schwach vertretenen Eagle-Station-Gruppe und den Eisen der IIF-Gruppe nachgewiesen werden. Einzigartig hingegen sind die sogenannten Pyroxen-Pallasite, die neben Olivinkristallen auch Pyroxenkristalle in einer Nickeleisenmatrix zeigen. Sie stammen offenbar von einem Mutterkörper, von dem wir keine weiteren Zeugnisse besitzen. Daneben gibt es noch ein paar weitere, ungruppierte Pallasite, die ebenfalls keine Ähnlichkeiten zu anderen bekannten Meteoriten aufweisen.

 

 

Mesosiderite

Die Mesosiderite stellen ein komplexes, oftmals chaotisches Gefüge von Nickeleisen und brekkziierten Silikaten dar, die sich aus Pyroxen, Plagioklas und Olivin zusammensetzen. In einigen Mesosideriten finden sich auch Einschlüsse von Eukriten, Diogeniten und anderen basaltischen Gesteinen, was darauf schliessen lässt, dass die Heimatwelt der Mesosiderite eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Eine Theorie zur Herkunft der Mesosiderite geht davon aus, dass der Mutterkörper der Mesosiderite ein grosser, differenzierter Asteroid ist, der mit einem anderen grossen Asteroiden zusammengeprallt ist, möglicherweise mit 4 Vesta, was nicht nur den gewaltigen Krater auf Vesta erklären würde, sondern auch das Vorkommen von eukritischen und diogenitischen Einschlüssen in den Mesosideriten. Doch es gibt auch einige andere Theorien, so dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

 

 

Weitere Gruppen

 

Bencubbinite

Diese recht neue, kleine Gruppe mit nur fünf Mitgliedern wird von den meisten Forschern in die Klasse der kohligen Chondrite eingeordnet, obschon auch diese Meteorite zu ungefähr gleichen Teilen aus Nickeleisen und Stein bestehen. Die Steinkomponente der Bencubbinite ist chondritischer Natur und weist eine enge Verwandtschaft zum CR-Clan, einer Untergruppe der kohligen Chondrite, auf. Möglicherweise sind die Bencubbinite somit ein Gegenstück zu den Pallasiten und stellen Muster der Mantelzone eines differenzierten C-Asteroiden dar, der auch der Mutterkörper der CR-Chondrite ist.


Lodranite

Auch die Lodranite sind eine kleine Gruppe, von der die meisten Mitglieder im ewigen Eis der Antarktis gefunden wurden. Sie bestehen vor allem aus einem Gemisch von Olivin, Pyroxen und Nickeleisen, wobei chemisch eine Verwandtschaft zu den Chondriten der E- und H-Gruppe festgestellt wurde. Aufgrund des Fehlens von Chondren werden sie heute jedoch meist zusammen mit der eng verwandten Gruppe der feinkörnigeren und ebenfalls seltenen Acapulcoite in die Gruppe der primitiven Achondrite gestellt - ein Beispiel, an dem man wieder einmal sieht, wie überholt die klassische Unterscheidung zwischen Eisen-, Steineisen- und Steinmeteoriten eigentlich ist.

 

Siderophyre

Dies ist eine sehr alte Gruppe, die ich im Zusammenhang dieser Darstellung "wiederbeleben" möchte. Ihr Hauptvertreter ist der eigenartige Meteorit Steinbach, der bereits in der Rubrik Eisenmeteorite als ungewöhnliches Mitglied der IVA-Gruppe Erwähnung fand. Er besteht aus einer einzigartigen Mischung von rotbraunen Pyroxenen in einer IVA-Nickeleisenmatrix und ist möglicherweise ein Pendant zu den Pallasiten, ein Beispiel für den Mantel des Asteroiden, von dem die IVA-Eisenmeteorite stammen.

Der Fall von Steinbach veranschaulicht aber auch - wie die beiden vorherigen Gruppen - den grundsätzlichen Mangel Klassifikationssystems der klassischen Meteoritenkunde, indem er die Frage aufwirft, wo eigentlich die Trennlinie zwischen silikatreichen Eisenmeteoriten und den eigentlichen Steineisenmeteoriten zu ziehen ist. Solange diese Frage nicht hinreichend beantwortet ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als bestimmte Meteoritentypen in mehreren Klassen gleichzeitig zu führen. Also wundern Sie sich nicht, wenn sie die Bencubbinite und die Lodranite unter der Rubrik Steinmeteorite unter anderem Vorzeichen wiederfinden!