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 Meteorit am Fundort

Stein-Meteorite

 

Die Steinmeteorite stellen die wohl heterogenste Klasse innerhalb der Meteoritenkunde dar. In ihr werden verschiedenste Meteoritentypen und -gruppen zusammengefasst, die lediglich eines gemeinsam haben: dass sie zum grossen Teil aus Stein, das heisst aus verschiedenen Silikaten und anderen gesteinsbildenden Mineralien zusammengesetzt sind. Nichtdestotrotz enthalten Steinmeteorite oft auch viel Nickel und Eisen, manche sogar in solchen Mengen, dass sie getrost als Steineisen- oder als atypische Eisenmeteorite betrachtet werden könnten. Aus Gründen der chemischen Verwandtschaft werden diese "Aussenseiter" aber heute dennoch meist zu den Steinmeteoriten gezählt.

Was die Häufigkeit betrifft, stellen die Steinmeteorite 92,8% aller beobachteten Fälle. Es wurden aber bisher nur ca. 35 Tonnen Steinmeteorite gefunden, was einem Gewichtsanteil von bloss 16% der Gesamtmasse aller bekannten Meteorite entspricht. Dies liegt u.a. daran, dass Steinmeteorite meist kleiner sind als Eisen- oder Steineisenmeteorite. Ein weiterer Grund für diese Diskrepanz liegt darin, dass Steinmeteorite nicht so leicht als solche erkannt werden, da sie irdischen Gesteinen viel ähnlicher sehen und sich im Gewicht nicht so sehr von ihnen unterscheiden. Ausserdem verwittern sie aufgrund ihres Mineralbestandes wesentlich rascher als ihre metallischen Verwandten, was sehr alte Funde viel seltener macht. Ausnahmen wie der "fossile" Meteorit von Osterplana bestätigen auch hier die Regel (siehe Rekorde).

Die Steinmeteorite werden von der Meteoritenkunde in zwei grundlegende Klassen unterteilt, in die Chondrite und Achondrite. Die Chondrite sind die häufigsten Meteorite überhaupt und repräsentieren 85,7% aller beobachteten Fälle. Sie zeichnen sich auf den ersten Blick durch mehr oder weniger häufige, kugelartige Gebilde aus, die als Chondren bezeichnet werden und nur aus Meteoriten bekannt sind. Den Achondriten fehlen - wie der Name schon sagt - diese Chondren, und sie sind mit 7,1% aller beobachteten Fälle auch wesentlich seltener.

Diese Unterscheidung scheint zunächst genauso willkürlich und oberflächlich wie die meisten Kategorien der alten Meteoritenkunde, aber die moderne Forschung hat herausgefunden, dass gerade diese Klassen uns sehr viel über die Entstehung und die Natur unseres Sonnensystems verraten und somit zu Recht unterschieden werden. So weiss man heute z.B., dass Chondrite nahezu unveränderte kosmische Urmaterie sind, Zeugen aus der Zeit der Entstehung unseres Sonnensystems, während die Achondrite verschiedene Stufen der Differenzierung bzw. der Entwicklung kosmischer Materie darstellen. Die Achondrite legen Zeugnis davon ab, wie aus chondritischer Urmaterie nach und nach durch Impakte, Zusammenballungen und darauf folgende geologische Prozesse komplexe Welten entstanden sind, die unserer Erde oft sehr ähnlich sind und uns ein ganz neues Bild von unserem eigenen Planeten vermitteln.

Im Zusammenhang dieser Erkenntnisse erscheint auch die alte Unterscheidung zwischen Eisen-, Steineisen- und Steinmeteoriten in neuem Licht. Wenn Chondrite mehr oder weniger undifferenzierte Urmaterie sind, repräsentieren alle anderen Meteorite nicht nur verschiedene Stufen der Differenzierung, sondern auch bestimmte Schichten differenzierter Mutterkörper. Eisenmeteorite sind Muster von Kernen, Steineisenmeteorite entsprechen dem Mantel und die Steinmeteorite der Klasse der Achondrite repräsentieren last but not least die äussere Kruste anderer, geologisch entwickelter Himmelskörper.

 

 

Chondrite
Achondrite