Seite 1 2 3 4 5 6

 

 

Stein-Meteorite

 

 

Kohlige Chondrite

 

Kohlige Chondrite (C-Chondrite)

CI-Chondrite

CM-Chondrite

CV-Chondrite

CO-Chondrite

CR-Chondrite

CK-Chondrite

CH-Chondrite

 

 

 

 

Kohliger Chondrit

Kohlige Chondrite

Die kohligen Chondrite, auch C-Chondrite genannt, repräsentieren wohl die ursprünglichste und älteste bekannte Materie und ähneln in ihrem Chemismus der Sonne mehr als alle anderen Chondrite. Typisch ist ihr Gehalt von Wasser und durch Wasser veränderter Mineralien, ihr Gehalt von Kohlenstoff und organischen Verbindungen sowie die Tatsache, dass die meisten von ihnen im Laufe ihres Daseins kaum durch thermische Prozesse verändert wurden. Die primitivsten kohligen Chondrite wurden im Laufe der Geschichte nie über eine Temperatur von 50 Grad Celsius erhitzt! Trotz all dieser Gemeinsamkeiten sind die kohligen Chondrite doch je nach Entstehungsort im präsolaren Urnebel recht verschieden und werden in mehrere Gruppen unterteilt. Die wichtigsten sollen im folgenden erwähnt werden:

 

CI-Chondrite

Die CI-Chondrite werden nach dem Fall von Ivuna, Tansania, benannt, und es ist nur eine Handvoll dieser seltenen Meteorite bekannt. Es sind die primitivsten und unansehnlichsten Meteorite überhaupt - und doch auch die interessantesten. Petrologisch gehören sie fast alle zur Klasse 1; nur ein CI2-Chondrit ist bekannt. Sie enthalten so gut wie keine sichtbaren Chondren, dafür aber einen Wassergehalt von bis zu 20% und zahlreiche organische Verbindungen wie Aminosäuren und andere Bausteine des Lebens. Möglicherweise haben sie ihren Ursprung in Kometen, aber gewiss stammen sie aus den äusseren Bereichen unseres Sonnensystems, was allein schon aus der Tatsache deutlich wird, dass sie im Laufe ihrer Entwicklung nie über 50 Grad Celsius erhitzt wurden.

 

CM-Chondrite

Die zahlenmässig besser vertretene Gruppe der CM-Chondrite wird nach dem Fall von Mighei, Ukraine, benannt. Die CM-Chondrite gehören fast alle zur petrologischen Klasse 2. Sie enthalten weniger Wasser als die CI-Chondrite, sind ihnen aber ansonsten von der mineralogischen Zusammensetzung her recht ähnlich. Auch sie enthalten organische Substanzen wie Aminosäuren, aber darüber hinaus besitzen sie deutlich sichtbare Chondren und häufig Einschlüsse von sogenannten CAIs (Calcium-Aluminium-Inklusionen). Diese CAIs enthalten mikroskopisch kleine Diamanten mit isotopischen Signaturen, die nicht nur auf ein wesentlich höheres Alter als das unseres Sonnensystems hinweisen, sondern sie bestehen offenbar aus interstellarem Material - Material aus anderen Sternensystemen, das bei der Entstehung unseres Sonnensystems in den CAIs eingeschlossen und konserviert wurde. Was die Herkunft angeht, könnten die Meteorite der CM-Gruppe ebenfalls von Kometen stammen; möglicherweise sind sie aber auch Abkömmlinge des grössten Asteroiden in unserem Sonnensystems, 1 Ceres, der ein sehr ähnliches Reflexionsspektrum aufweist.

 

CV-Chondrite

Die CV-Chondrite werden nach dem Fall von Vigarano, Italien, benannt und umspannen die petrologischen Klassen 3 und 4. In ihrer Struktur und chemischen Zusammensetzung ähneln sie eher den gewöhnlichen Chondriten, enthalten aber im Gegensatz zu diesen auch Spuren von Wasser, organische Substanzen und besonders viele und grosse Chondren und CAIs - ein typisches Merkmal der CV-Gruppe. Ein besonders bekannter CV-Meteorit ist der Fall von Allende, Mexiko, der sich 1969 kurz vor der ersten bemannten Mondlandung ereignete. Damals fielen nahezu zwei Tonnen der seltenen und wissenschaftlich so wertvollen Materie auf die Erde - genug Material, um nicht nur sämtliche Forschungslaboratorien, sondern auch alle privaten Sammler damit auszustatten!

 

CO-Chondrite

Die CO-Chondrite werden nach dem Fall von Ornans, Frankreich, benannt und gehören petrologisch stets zur Klasse 3. Chemisch ähneln sie den CV-Chondriten, mit denen sie einen Clan bilden, aber sie unterscheiden sich bereits auf den ersten Blick durch ihr schwarzes Erscheinungsbild, ihre sehr kleinen Chondren und durch wesentlich spärlichere Einschlüsse von CAIs. Ausserdem enthalten sie deutlich sichtbare Einschlüsse von Nickeleisen, die in polierten Scheiben wie winzige schillernde Flocken wirken.

 

CR-Chondrite

Die CR-Chondrite werden nach dem Fall von Renazzo, Italien, benannt und fallen in die petrologischen Klassen 2 und 3. Ursprünglich wurden sie in die CM-Gruppe eingeordnet, aber inzwischen ist klar, dass sie eine eigene Gruppe repräsentieren. Sie besitzen meist grosse, klar abgegrenzte Chondren und enthalten im Gegensatz zu den CM-Chondriten relativ viel Nickeleisen sowie Eisensulfid. Was die Herkunft angeht, gibt es eine Übereinstimmung der Reflexionsspektren der CR-Chondrite mit dem zweitgrössten Asteroiden in unserem Sonnensystems, 2 Pallas, der möglicherweise der Mutterkörper dieser sehr seltenen kohligen Chondrite ist.

 

CK-Chondrite

Die CK-Chondrite werden nach dem Fall von Karoonda, Australien benannt, umspannen die petrologischen Klassen 3 bis 6 und wurden ursprünglich für Vertreter der CV-Gruppe gehalten. Geschnittene Scheiben dieser Meteorite erscheinen aufgrund eines hohen Anteils von Magnetit meist matt und schwarz, durchsetzt von verschieden grossen Chondren und gelegentlichen Einschlüssen von CAIs. Viele CK-Chondrite weisen ausserdem Schockvenen auf, Adern aus durch Druck geschmolzenem Gestein, was auf eine bewegte Vergangenheit des CK-Mutterkörpers bzw. auf ein Impaktereignis hinweist. Der genaue Herkunftsort dieser sehr seltenen Meteoritengruppe ist aber bislang nicht ausreichend geklärt.

 

CH-Chondrite

Diese sehr kleine Gruppe von kohligen Chondriten wird ausnahmsweise nicht nach einem Fall benannt, sondern nach einer besonderen Eigenschaft: das "H" steht für "High Iron" und bezeichnet den für diese Gruppe charakteristisch hohen Anteil an Nickeleisen, der oft über 50% der Gesamtmasse betragen kann! Allein diese Tatsache könnte genügen, die CH-Gruppe als eine Form von Steineisenmeteoriten zu bezeichnen, aber die Verwandtschaft des kohligen Gesteinsanteil mit den Meteoriten der CR-Gruppe hat dazu geführt, dass man sie in die Klasse der kohligen Chondrite einordnete. Petrologisch gehören die bekannten CH-Chondrite alle zur Gruppe 3, und es besteht eine noch ungeklärte, enge Verbindung zu einer anderen Gruppe von Chondriten, den Bencubbiniten, die weiter unten beschrieben werden.


Gewöhnliche Chondrite
Enstatit, Rumuruti und andere Chondrite
Achondrite