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Stein-Meteorite

 

 

Gewöhnliche Chondrite


Gewöhnliche Chondrite (H, L, LL-Chondrite)

H-Chondrite

L-Chondrite

LL-Chondrite

 

 

 

Gewöhnlicher Chondrit am Fundort

Die Chondrite dieser Klasse werden nur deshalb als "gewöhnlich" bezeichnet, weil sie mit über 85% aller Chondritenfälle den Grossteil dieser Meteorite repräsentieren. Als kosmische Urmaterie sind sie allerdings alles andere als gewöhnlich. Mineralogisch betrachtet bestehen sie zum Grossteil aus Olivin und Orthopyroxenen sowie einem charakteristisch hohen Anteil an mehr oder weniger oxidiertem Nickeleisen. Aufgrund dieses Anteils an Eisen und anderer mineralogischer Charakteristika werden sie in drei Gruppen unterteilt:

H-Chondrite

Die H-Chondrite werden aufgrund ihres hohen Anteils an Nickeleisen mit dem "H" versehen, das für "High Iron" steht. Die Meteorite dieser Gruppe enthalten einen Gewichtsanteil von 25 bis 31% Gesamteisen, wobei 15 bis 19% des Eisens im ungebundenen, metallischem Zustand vorliegt. Demzufolge werden H-Chondrite auch recht stark von einem Magneten angezogen. Petrologisch umspannen die H-Chondrite die Klassen 3 bis 7, und sie bestehen mineralogisch vor allem aus Olivin und dem Orthopyroxen Bronzit. Aufgrund dieser Tatsache werden sie manchmal auch als Olivin-Bronzit-Chondrite bezeichnet, obschon dieser Name veraltet und wenig gebräuchlich ist. Vergleiche der Reflexionsspektren der H-Chondrite mit den Spektren bekannter Asteroiden haben ergeben, dass die H-Chondrite möglicherweise vom Asteroiden Hebe oder einem Abkömmling desselben stammen.

 

L-Chondrite

Das "L" steht bei den L-Chondriten für "Low Iron", also für einen typischen Eisengehalt von 20 bis 25%, wobei jedoch nur etwa 4 bis 10% dieses Eisens im ungebundenen, metallischen Zustand vorkommt. Diese Tatsache bewirkt, dass L-Chondrite zwar von einem Magneten angezogen werden, aber lange nicht so stark wie die H-Chondrite. Petrologisch umspannen die L-Chondrite die Klassen 3 bis 7, wobei die Klasse 6 besonders häufig vertreten ist. Mineralogisch bestehen L-Chondrite aus Olivin und dem Orthopyroxen Hypersthen, was ihnen auch den Namen Olivin-Hypersthen-Chondrite eingebracht hat. Auch dieser Name ist heute nicht mehr gebräuchlich, obschon man ihn oft in der Literatur finden wird. Was die Herkunft angeht, könnten die L-Chondrite durchaus von dem erdnahen Asteroiden Eros stammen, einem Himmelskörper, der derzeit intensiv von der Raumsonde NEAR-Shoemaker untersucht wird. Die Reflexionsspektren stimmen ziemlich genau überein, und vielleicht wird man bald mit Sicherheit sagen können, dass die L-Chondrite Abkömmlinge dieses Asteroiden sind.

 

LL-Chondrite

Die LL-Chondrite sind die seltensten unter den gewöhnlichen Chondriten. Das "LL" steht für "Low Iron" und "Low Metal" und trägt der Tatsache Rechnung, dass die LL-Chondrite einen typischen Eisengehalt von 19 bis 22% besitzen, wobei lediglich 1 bis 3% in metallischer, ungebundener Form vorkommen. Dementsprechend sind die LL-Chondrite nur schwach magnetisch. Wie die H- und L-Chondrite umspannen auch die LL-Chondrite alle petrologischen Klassen von 3 bis 7, wobei jedoch auffällig viele, ursprüngliche LL3-Meteorite gefunden werden. In älteren Quellen werden die LL-Chondrite manchmal als Amphoterite bezeichnet, doch auch dieser Name ist nicht länger gebräuchlich und sollte daher vermieden werden. Was die Herkunft betrifft stammen die LL-Chondrite möglicherweise ebenfalls von dem erdnahen Asteroiden Eros und repräsentieren einen anderen Ursprungsort auf dem etwa 20 km grossen Mutterkörper.

 

Kohlige Chondrite
Enstatit, Rumuruti und andere Chondrite
Achondrite