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Stein-Meteorite

 

 

Achondrite

 

Achondrite

PAC-Gruppe (Primitive Achondrite)

Acapulcoite

Lodranite

Brachinite

Winonaite

Primitive Enstatit Achondrite (Zaklodzie, ITQIY)

Angrite

Aubrite

Ureilite

HED-Gruppe ("Vestameteorite")

Diogenite

Eukrite

Howardite

LUN-Gruppe ("Mondmeteorite")

Anorthositische Regolith-Hochlandbrekkzien

Fragmentale Hochlandbrekkzien

Impakt-Schmelzbrekkzien

Marebasalte

Maregabbros

SNC-Gruppe ("Marsmeteorite")

Shergottite

Nakhlite

Chassignite

Orthopyroxenite

 

 

 

Die Achondrite stellen eine sehr heterogene Klasse von Meteoriten dar. Von den wesentlich häufigeren Chondriten unterscheiden sie sich zunächst durch das Fehlen von Chondren, aber wir haben bereits gesehen, dass es auch Chondrite gibt, die keinerlei Chondren besitzen, und genauso gibt es mindestens einen Typ Achondrit, der Chondren aufweist. Diese Ausnahmen markieren Übergänge zwischen den beiden Klassen, die verständlich werden, wenn wir uns vor Augen halten, dass die Chondrite nahezu unveränderte Urmaterie aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems darstellen. Durch Schmelz- und Rekristallisationsvorgänge entstanden aber auf manchen Asteroiden und Planeten aus der chondritischen Urmaterie differenzierte Gesteine, die wiederum die Grundsubstanz der Achondrite liefern.

Achondrite sind also Muster anderer differenzierter Welten und ähneln insofern irdischen Gesteinen. Dennoch sind die meisten Achondrite recht primitiv - d.h. wenig differenziert - und mithin sehr alt. Auch sie stammen zumeist aus der Frühzeit der Entstehung unseres Sonnensystems, einer Zeit die zwischen 4,6 und 4,2 Milliarden Jahre zurückreicht. Dies liegt vor allem daran, dass sie von kleineren Mutterkörpern, sprich Asteroiden, stammen, die bereits schnell nach ihrer Entstehung abkühlten und somit geologisch inaktiv wurden.

Nur wenige Achondrite stammen nachweislich von grösseren Mutterkörpern, was sich auch in einem wesentlich jüngeren Entstehungsalter ausdrückt. Planeten wie unser Nachbar Mars waren (oder sind) bis in die jüngste Zeit geologisch aktiv, und so verwundert es nicht, dass Marsmeteorite gefunden wurden, die - verglichen mit anderen Meteoriten - mit einem geschätzten Entstehungsalter von nur wenigen Hundert Millionen Jahren erstaunlich jung sind. Diese Meteorite sind entsprechend hochentwickelt, d.h. stark differenziert und ähneln den irdischen Gesteinen am meisten.

 

PAC-Gruppe (Primitive Achondrite)

Das Kürzel "PAC" steht für "primitive Achondrite" und umfasst verschiedene Gruppen von Meteoriten, die ihren chondritischen Vorläufern in Chemismus und Struktur recht ähnlich sind. Sie sind wenig differenziert und entstanden wahrscheinlich auf sehr kleinen Asteroiden, die durch Impaktereignisse aufgescholzen wurden und dann sehr schnell rekristallisierten.

 

Acapulcoite

Diese kleine Klasse wurde nach einem Fall benannt, der sich 1976 in der Umgebung von Acapulco, Mexiko, ereignete. Ursprünglich wurde dieser Meteorit als anomaler Chondrit klassifiziert, aber nachdem in den folgenden Jahrzehnten einige ähnliche Meteorite gefunden wurden, erkannte man, dass es sich um eine Klasse von primitiven Achondriten handelt, die den Übergang zwischen chondritischer Grundsubstanz und differenziertem Gestein markiert. Die vierzehn bislang bekannten Acapulcoite bestehen hauptsächlich aus Olivin und Pyroxen und geringeren Anteilen von Plagioklas, metallischem Nickeleisen und Troilit. In manchen Acapulcoiten hat man auch intakte Chondren gefunden, was noch einmal unterstreicht, dass diese Gruppe einen wenig differenzierten Mutterkörper repräsentiert und als die wohl primitivste Klasse von Achondriten zu betrachten ist.

 

Lodranite

Die Lodranite, benannt nach dem Fall von Lodran, Pakistan, 1868, wurden ursprünglich als eine kleine Gruppe von Steineisenmeteoriten betrachtet, da sie zu ungefähr gleichen Teilen aus Olivin und Pyroxen sowie feinkörnigem Nickeleisen bestehen. Erst die Entdeckung der Acapulcoite hat aufgrund grosser chemischer und isotopischer Ähnlichkeit dazu geführt, sie in die Gruppe der primitiven Achondrite einzuordnen. Wahrscheinlich stammen Acapulcoite und Lodranite sogar von ein und demselben, wenig differenzierten Mutterkörper, einem kleinen Asteroiden, der von seinem Chemismus eine Verwandtschaft mit den Mutterkörpern der E- und H-Chondrite aufweist.

 

Brachinite

Die Brachinite sind eine sehr kleine Gruppe von olivinreichen, primitiven Achondriten und wurden nach dem Fund von Brachina, Australien benannt. Dieser Meteorit wurde zunächst als Chassignit, eine seltene Art von Marsmeteorit, klassifiziert, aber als man ihn und sechs weitere, ähnliche Funde genauer untersuchte, stellte man fest, dass es sich um eine eigene Klasse primitiver Achondrite handelt, die den Chassigniten nur von ihrer mineralogischen Komposition ähneln. Im Unterschied zu den relativ jungen Marsgesteinen sind die Brachinite mit einem Entstehungsalter von 4,5 Milliarden Jahren sehr alt und weisen ein ganz anderes Muster in ihren Spurenelementen auf, die eine typisch chondritische Verteilung zeigen.

 

Winonaite

Die Winonaite stellen eine weitere seltene Klasse primitiver Achondrite dar und wurden nach einem ungewöhnlichen Fund benannt. Der Meteorit Winona wurde 1928 bei archäologischen Grabungen in dem prähistorischen Elden-Pueblo, Arizona, in einer in den Stein gemeisselten Wandnische entdeckt. Offenbar hatte er den hier lebenden Indianern als Heiligtum gedient, nachdem sie seinen Fall vielleicht sogar beobachtet hatten. Und auch für die Wissenschaft wurde Winona zu etwas ganz besonderem, zum Prototyp einer neuen Meteoritenklasse, die sich in ihrer isotopischen Signatur ganz deutlich von allen anderen Achondriten unterscheidet. Ein enge Verwandtschaft besteht allerdings zu den Eisenmeteoriten der chemischen Klasse IAB. Viele IAB-Eisen enthalten Silikateinschlüsse, die den Winonaiten sehr ähnlich sind, und wahrscheinlich stammen beide von ein und demselben Mutterkörper.

 

Primitive Enstatit Achondrite (Zaklodzie, ITQIY)

Neben den Acapulcoiten/Lodraniten, den Brachiniten und Winonaiten gibt es noch eine Reihe weiterer primitiver Achondrite, die jedoch alle mehr oder weniger Einzelfunde sind und daher nicht die Etablierung einer neuen Klasse rechtfertigen. Beispiele hierfür sind zwei unlängst gefundene, enstatitreiche Achondrite: Zaklodzie aus Polen und ITQIY aus Nordafrika. Beide sind in Chemismus und Mineralbestand einmalig und bestehen hauptsächlich aus Enstatit und metallischem Nickeleisen. Auf gewisse Weise erinnert Zaklodzie von seiner Struktur her an die Acapulcoite während ITQIY strukturell den Lodraniten gleicht. Möglicherweise sind Zaklodzie und ITQIY Abkömmlinge ein und desselben, wenig differenzierten Mutterkörpers, der eine vergleichbare Entwicklung durchgemacht hat wie der Mutterkörper der Acapulcoite und Lodranite. Weitere Untersuchungen und neue Funde werden in Zukunft wohl mehr Aufschluss über diese Frage geben.

 

Angrite

Die Angrite, benannt nach dem Fall von Angra dos Reis, Brasilien, stellen mit nur sechs Mitgliedern eine sehr kleine Klasse von differenzierten Achondriten dar, die aus Pyroxen, Olivin und Plagioklas bestehen. Im Gegensatz zu den Chondriten und primitiven Achondriten liegen diese Minerale jedoch in Formen vor, die typisch für eine magmatische Entstehung sind: Das Pyroxen liegt vor allem in Form des Minerals Fassait vor, das Olivin enthält neben Eisen und Magnesium auch Kalzium, und der Plagioklas liegt nahezu ausschliesslich als kalziumreicher Anorthit vor. Auch die allgemeine Struktur sowie häufig auftretende rundliche Vesikel, die als erstarrte Gasblasen gedeutet werden, lassen die Angrite als typische Ergussgesteine, d.h. als Basalte magmatischen Ursprungs erscheinen, die irdischen Basalten recht ähnlich sind. Mit dem Unterschied, dass die Angrite mit einem Entstehungsalter von etwa 4,56 Milliarden Jahren sehr alt sind! Die Herkunft dieser urtümlichen Basalte ist jedoch nach wie vor ein Rätsel. Aufgrund gewisser isotopischer Ähnlichkeiten hat man zeitweise vermutet, die Angrite stammten wie die Meteorite der HED-Gruppe vom Asteroid 4 Vesta. Aber aufgrund ihres hohen Alters und gewissen Unterschieden im Chemismus geht man heute davon aus, dass die Angrite von einem gesonderten Mutterkörper stammen müssen, der bislang noch nicht identifiziert werden konnte.

 

Aubrite

Die Aubrite wurden nach dem Fall von Aubres, Frankreich, benannt, wo 1836 ein etwa 800 g schwerer Meteorit niederging. Aufgrund ihrer eigenartigen mineralogischen Beschaffenheit sind die Aubrite auch als Enstatit Achondrite bekannt, da sie zum Grossteil aus diesem fast eisenfreien, magnesiumreichen Pyroxen bestehen. Neben Enstatit enthalten die meist stark brekzziierten Aubrite aber auch unterschiedliche Anteile reduziertes Nickeleisen, Olivin, Troilit und einige seltene Minerale, die auf eine magmatische Entstehung unter ausgesprochen reduzierenden Bedingungen schliessen lassen. Trotz einer gewissen chemischen Ähnlichkeit zu den Enstatit Chondriten und Primitiven Enstatit Achondriten stammen die Aubrite sicher von einem anderen Mutterkörper, der eine wesentlich stärkere Differenzierung durchgemacht hat. Spektrologische Untersuchungen haben den Asteroid 44 Nysa und einige seiner Begleiter als mögliche Mutterkörper identifizieren können, wobei vor allem ein Ausreisser aus dieser Asteroidenfamilie, der erdnahe Asteroid 3103, in den Blickpunkt gerückt ist. Möglicherweise ist dieser namenlose Asteroid mit etwa 1,5 km Durchmesser der Ursprung aller auf der Erde eintreffenden Aubrite. Sechsundvierzig dieser seltenen Meteorite wurden bislang beschrieben.

 

Ureilite

Die Ureilite, benannt nach dem Fall von Novo Urei, Russland, im Jahr 1886, sind die wohl rätselhaftesten Achondrite überhaupt. Sie bestehen hauptsächlich aus Olivin und Pyroxen in einer kohlenstoffreichen Matrix aus Graphit, Diamant, reduziertem Nickeleisen und Troilit. Sowohl die chemischen als auch die isotopischen Untersuchungen der Ureilite führen zu widersprüchlichen Ergebnissen: einige Fakten lassen die Ureilite als hochdifferenzierte Gesteine erscheinen, während andere Ergebnisse diese Meteorite eher in das Umfeld der primitiven Achondrite rücken. Aufgrund dieser Widersprüche gibt es bislang keine allgemein anerkannte Theorie über die Entstehung und den Ursprung der Ureilite. Dennoch sind sich die meisten Forscher einig, dass der hohe Kohlenstoffgehalt eine Verwandtschaft zu den kohligen Chondriten suggeriert, und wahrscheinlich stammen die Ureilite von einem differenzierten Asteroiden der C-Klasse. Bislang wurden fünfundneunzig dieser rätselhaften Meteorite gefunden, was die Ureilite zu einer der "häufigeren" Achondritenklassen macht.

 

HED-Gruppe ("Vestameteorite")

Die HED-Gruppe setzt sich aus drei verschiedenen Klassen von eng verwandten Achondriten zusammen, den Howarditen, Eukriten und Diogeniten, deren Anfangsbuchstaben das Kürzel "HED" formen. Von ihrer mineralogischen Zusammensetzung und Entstehung her sind diese Meteorite recht verschieden, aber ihre nahezu identischen chemischen und isotopischen Muster zeigen ganz klar, dass alle drei von ein und demselben Mutterkörper stammen müssen. Vergleiche der Reflexionsspektren dieser Meteorite mit den Spektren diverser Asteroiden haben ergeben, dass es sich bei diesem Mutterkörper wahrscheinlich um den Hauptgürtel-Asteroid 4 Vesta handelt, einem der grössten Asteroiden in unserem Sonnensystem (siehe Herkunft). Aus diesem Grund werden die Meteorite der HED-Gruppe manchmal auch "Vestameteorite" genannt.

 

Diogenite

Die Diogenite wurden nach dem griechischen Philosoph Diogenes benannt, der bereits im fünften Jahrhundert v. Chr. vermutete, dass Meteorite nicht von der Erde, sondern aus dem Weltall stammen. Mineralogisch betrachtet handelt es sich bei den Diogeniten, von denen sechsundneunzig Fälle und Funde bekannt sind, um differenzierte Tiefengesteine, die vor allem aus magnesiumreichem, kalziumarmen Orthopyroxen bestehen. Sie enthalten daneben auch noch kleinere Mengen von Olivin und Plagioklas, aber den Grossteil der Masse bilden die oft recht grossen Pyroxenkristalle, die wiederum typisch für plutonische Gesteine sind, die sich in Magmakammern im Mantel eines Planeten oder Asteroiden gebildet haben und durch langsame Abkühlung zu einer solchen Grösse heranwachsen konnten. Die Diogenite sind somit Beispiele von magmatischen Prozessen, die sich vor etwa 4,4 Milliarden Jahren innerhalb ihres Mutterkörpers Vesta abgespielt haben!

 

Eukrite

Der Begriff Eukrit stammt vom griechischen Wort eukritos, das soviel bedeutet wie "leicht zu unterscheiden". Die alte Meteoritenkunde verlieh den Eukriten, die mit über zweihundert Fällen und Funden die zahlenmässig grösste Achondritenklasse bilden, diesen Namen aus zwei Gründen: erstens, weil sie sich durch ihr Erscheinungsbild leicht von den Chondriten unterscheiden lassen, und zweitens, weil sie bestimmten irdischen Gesteinen vulkanischer Herkunft ähneln, die damals ebenfalls Eukrite genannt wurden. Heute ist dieser Name nur noch für die gleichnamigen Meteorite gebräuchlich, obschon die Eukrite tatsächlich in mancherlei Hinsicht an terrestrische Basalte erinnern. Sie bestehen aus kalziumreichem Plagioklas (Anorthit), kalziumarmen Pyroxenen und enthalten oft Anteile von reduziertem Nickeleisen, was manche Eukrite schwach magnetisch macht. Oft enthalten sie auch kleine Vesikel, die als erstarrte Gasblasen gedeutet werden und den magmatischen Ursprung der Eukrite als echte Ergussgesteine noch einmal unterstreichen. Eukrite sind die Basalte einer anderen Welt, vergleichbar mit den Basalten, die sich auf der Erde durch vulkanische Aktivität bildeten und immer noch bilden.

 

Howardite

Die Howardite wurden nach dem britischen Chemiker Edward Howard, einem Pionier der Meteoritenkunde benannt (siehe Geschichte), und es sind heute fünfundneunzig Fälle und Funde dieser seltenen Klasse bekannt. In gewisser Hinsicht bilden die Howardite eine Art Bindeglied zwischen Diogeniten und Eukriten, das aber nicht - wie man vermuten könnte - im Mantel der Vesta entstanden ist, sondern an deren Oberfläche. Die Howardite sind, mineralogisch betrachtet, ein Regolithgestein: zusammengebackene "Staubschichten" der Oberfläche ihres Mutterkörpers, in denen sich in etwa gleiche Teile von diogenitischem und eukritischen Gestein mit chondritischem Impaktmaterial aus dem Weltraum mischen. Und so findet man in den stark brekkziierten Howarditen auch verschiedenste Einschlüsse von kleineren und grösseren Meteoriten, die im Laufe der Jahrmilliarden auf Vesta stürzten und sich mit den von ihnen freigelegten und vom Sonnenwind pulverisierten Eukriten und Diogeniten zu einem neuen Gestein verbanden. Diese natürliche Vielfalt macht die Howardite nicht nur zu welchen der interessantesten, sondern auch zu einigen der schönsten Achondrite überhaupt.

 

LUN-Gruppe ("Mondmeteorite")

Das Kürzel "LUN" steht für "Lunaite" und bezeichnet eine Gruppe von Achondriten, die von unserem Erdtrabanten, dem Mond stammen (siehe auch Herkunft). Wenn man sich den Mond in einer sternenklaren Nacht einmal genau ansieht, kann man sich gut vorstellen, wie diese Meteorite von der Mondoberfläche weg und auf die Erde gelangt sind: der Erdtrabant ist übersäht mit grossen Kratern, die von Einschlägen herrühren, die genug Kraft hatten, Gesteine aus dessen Kruste herauszureissen und so zu beschleunigen, dass sie das Schwerefeld des Mondes überwanden und im Weltall landeten. Einige dieser Bruchstücke gerieten in eine instabile Umlaufbahn um unseren Planeten und stürzten nach einiger Zeit als Mondmeteorite auf die Erde. Und natürlich sind diese Meteorite so verschieden wie die Gesteine des Mondes selbst. Bislang wurden weltweit vierundzwanzig Mondmeteorite gefunden, die sich in fünf verschiedene Klassen einordnen lassen:

 

Anorthositische Regolith Hochlandbrekkzien

Die Regolith Hochlandbrekkzien stellen mit über zehn Funden die Mehrzahl der bekannten Mondmeteorite. Sie stammen aus den Hochländern des Mondes, die den Grossteil seiner Oberfläche bilden und vor allem die von der Erde aus unsichtbare Seite dominieren. In ihrem Mineralbestand bestehen sie vor allem aus einem durch Meteoritenbombardement und Sonnenwind entstandenen Regolith, einem zusammengebackenen Staub, der zahlreiche Klasten von ursprünglichem Plagioklas enthält, der in den Hochländern des Mondes als kalziumreicher Anorthit das primäre, gesteinsbildende Mineral ist. Diese Zusammensetzung verleiht den Anorthositischen Regolith Hochlandbrekkzien ihr typisches Aussehen mit eckigen, weissen Klasten (Anorthit) in einer kohlig-schwarzen Matrix (Regolith).

 

Fragmentale Hochlandbrekkzien

Die Fragmentalen Hochlandbrekkzien, von denen bislang nur zwei bekannt sind, stammen ebenfalls aus den Hochländern des Mondes. Sie bestehen jedoch nicht aus Regolith, sondern aus brekkzierten Gesteinsfragmenten der unter dem Regolith gelegenen lunaren Oberfläche. Dem entsprechend bestehen sie mineralogisch vor allem aus Anorthit, dem kalziumreichen Plagioklas der lunaren Hochländer, sowie einigen anderen begleitenden Mineralen wie z.B. Pyroxen und Olivin.

 

Impakt Schmelzbrekkzien

Die Impakt Schmelzbrekkzien, von denen ebenfalls nur zwei Funde bekannt sind, ähneln von ihrer mineralogischen Zusammensetzung den anderen Lunaiten der Hochländer, mit dem Unterschied, dass manche darin enthaltene Minerale in stark geschockter Form vorliegen, d.h. durch ein früheres Impaktereignis in ihrer Struktur verändert wurden. Dem entsprechend finden sich in diesen Schmelzbrekkzien auch häufig Adern von zu Glas geschocktem Gestein sowie Hochdruckmineralien.

 

Marebasalte

Diese Meteorite, von denen nur fünf bekannt sind, sind Muster der lunaren Mare, der grossen, dunklen Becken, die die Tiefländer des Mondes bilden. Drei dieser fünf Mondmeteorite sind Regolith Brekkzien, die vergleichbar mit den Regolith Hochlandbrekkzien nur Fragmente des ursprünglichen Basalts in einer Regolith-Matrix aufweisen, während es sich bei zwei dieser Meteorite um echte Muster des lunaren Marebasalts handelt. Dieser besteht vornehmlich aus den Pyroxenen Pigeonit und Augit sowie einem geringeren Anteil von Plagioklas und Olivin.

Im Unterschied zu den Hochlandsgesteinen handelt es sich bei den Marebasalten um weitaus jüngere Gesteine, die der Tatsache Rechnung tragen, dass die lunaren Maria erst etwa eine Milliarde Jahre nach den etwa 4,5 Milliarden Jahren alten Hochländern entstanden.

 

Maregabbros

Diese Klasse wird nur durch einen Meteoritenfund aus der Antarktis repräsentiert, dem Meteorit Asuka-881757, der in seiner grobkörnigen Struktur den einzigen bislang bekannten unbrekkziierten Mondmeteorit darstellt. Mineralogisch handelt es sich um einen sogenannten Gabbro, ein Gestein, das sich primär aus den Mineralen Plagioklas (in der Form von Anorthit) und Pyroxen (Pigeonit und Augit) zusammensetzt. Es bleibt abzuwarten, ob in Zukunft noch weitere Proben dieses Materials und andere, bislang nicht vertretene lunare Gesteine in Gestalt von Meteoriten entdeckt werden!

 

SNC-Gruppe ("Marsmeteorite")

Eine weitere Gruppe bilden die seltenen SNC-Meteorite, die nach den Anfangsbuchstaben dreier historischer Fälle benannt wurde: Shergotty, Nakhla und Chassigny. Diese Meteorite werden zusammen mit einigen weiteren Fällen und Funden aufgrund mineralogischer und chemischer Ähnlichkeiten in eine Gruppe zusammengefasst, und es ist inzwischen ziemlich sicher, dass alle diese Meteorite von unserem Nachbarplaneten Mars stammen (siehe auch Herkunft). Für diese Annahme spricht nicht nur das vergleichbar junge Alter der meisten SNC-Meteorite, das oft nur wenige Hundert Millionen Jahre beträgt, sondern auch ein Vergleich von in diesen Meteoriten eingeschlossenen Gasen mit den Ergebnissen der Viking-Sonden, die im Jahre 1976 unter anderem die genaue Zusammensetzung der Marsatmosphäre untersuchten. Es sind inzwischen zweiundzwanzig dieser "Marsmeteorite" bekannt, die aber wahrscheinlich aus nur siebzehn Fällen stammen. Grundsätzlich unterteilen sich die SNC-Meteorite in vier mineralogische Klassen:

 

Shergottite

Die Shergottite, benannt nach dem Fall von Shergotty, Indien, sind unter den Marsmeteoriten besonders häufig und stellen siebzehn der zweiundzwanzig bekannten SNC-Meteorite. Mineralogisch splitten sie sich in zwei verschiedene Typen, in die basaltischen und in die lherzolithischen Shergottite. Die basaltischen Shergottite bestehen vor allem aus Plagioklas und Pyroxen und ähneln irdischen Basalten vulkanischen Ursprungs. Die lherzolithischen Shergottite bestehen aus Olivin und Orthopyroxen und enthalten nur geringere Mengen von Plagioklas. Sie sind eng mit den basaltischen Shergottiten verwandt, repräsentieren allerdings keine Ergussgesteine, sondern eher plutonische Tiefengesteine des Mars, die aus den gleichen Magmaschichten hervorgingen wie ihre basaltischen Verwandten. Es gibt allerdings auch Übergänge zwischen dem basaltischen und lherzolithischen Typ, die zum Beispiel von den Marsmeteoriten aus der Dar al Gani Wüste, Libyen, repräsentiert werden.

 

Nakhlite

Die Nakhlite werden nach dem Fall von Nakhla, Ägypten, benannt, und es sind nur drei dieser feinkörnigen, grünlich braunen Meteorite bekannt. Im mineralogischen Sinne bestehen sie hauptsächlich aus kalziumreichen Pyroxen (Augit) und einem geringen Anteil von Olivin. Interessanterweise entdeckte man kürzlich in den Nakhliten seltene Minerale, die nur in der Anwesenheit von flüssigem Wasser entstehen konnten. Analysen haben ergeben, dass diese Minerale noch auf dem Mars entstanden sein müssen, was dafür spricht, dass unser roter Nachbar zumindest noch zur Zeit der Entstehung der Nakhlite, also vor etwa 1,5 Milliarden Jahren flüssiges Wasser und vielleicht sogar Ozeane besessen hat!

 

Chassignite

Eng verwandt mit den Nakhliten sind die Chassignite, die nach dem einzigen Vertreter dieser Klasse, dem Meteorit Chassigny, Frankreich, benannt wurden. Mineralogisch betrachtet handelt es sich bei Chassigny um ein nahezu rein aus Olivin bestehendes Tiefengestein, um einen sogenannten Dunit. Auch in Chassigny wurden Spuren von Mineralen gefunden, die nur in Anwesenheit von Wasser entstehen konnten, so zum Beispiel der auch auf der Erde bekannte Amphibol.

 

Orthopyroxenite

Auch diese Gruppe wird nur durch einen einzigen Vertreter repräsentiert, durch den antarktischen Meteorit ALH84001. Im Unterschied zu den anderen Marsmeteoriten besteht er nahezu ausschliesslich aus Orthopyroxen und besitzt ein wesentlich höheres Alter. Besonders bekannt wurde dieser heiss diskutierte Meteorit durch zahlreiche Untersuchungen diverser Einschlüsse, die Hinweise auf ein - zumindest früheres - primitives Leben auf unserem Nachbarplaneten Mars geben (siehe Sensationen).